“Der falsche Inder”: eine Lesung von Abbas Kidher an der Rückertschule (Serie zum Welttag des Buches)
Der letzte Beitrag unserer Serie gilt einem Literatur-Event der besonderen Art: Ein Autor irakischer Herkunft liest an einer Hauptschule, und diese Lesung wird von einer 9. Klasse vorbereitet. Dazu Berichte und Stimmen aus dieser Klasse.
Unser Projekt startete, als wir das Buch „Der falsche Inder“ von Frau Clausen von der Buchhandlung Riemann geschenkt bekommen haben. Wir lasen das Buch als Klassenlektüre. Für das Buch brauchten wir, meiner Meinung nach, nicht so lange wie bei anderen Büchern, da es sehr verständlich geschrieben ist. Das Buch ist in einer Art Umgangssprache geschrieben, einfach aus dem echten Leben und aus dem Leben von Abbas Khider.
Besonders bringt Abbas Khider uns seine Flucht aus dem Irak näher und macht mit Witz, aber auch Ernst klar, wie schwer es ist, aus einem Land zu flüchten, in dem Terror, Angst und Zerstörung herrschen. Außerdem schreibt er auch sehr im Detail, wie der Aufenthalt im Gefängnis und auf der Flucht war. Nach Jahren, die er in verschiedenen Länder verbracht hat, ist er schließlich nicht ganz freiwillig in Deutschland gelandet. Nach Asylantenheim und viel Bürokratie konnte er deutscher Staatsbürger werden.
Ich persönlich fand an dem Buch gut, dass es in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben ist und dass Abbas Khider sich nicht davor scheut, das eine oder andere Schimpfwort zu verwenden.
Jetzt möchte ich noch über unsere Autorenlesung mit Abbas Khider und über die Vorbereitungen berichten:
Als wir davon hörten, dass Abbas Khider zu uns kommt und eine Lesung seines Buches hält, für uns war das natürlich das Signal, zum Arbeiten. Ab jetzt hieß es schuften, schuften und nochmal schuften.
Erstmal mussten wir, das Event in der Aula der Rückertschule planen. Wir begannen uns zu überlegen, wie wir die Veranstaltung gestalten wollten. Jeder machte sich hierzu seine Gedanken. Hier entstand die Idee, verschiedene Zitate aus dem Buch zu nehmen und diese auf Plakate zu schreiben und sie mit Bildern zu verdeutlichen. Also begannen wir, uns an die Arbeit zu machen. Diese Arbeit war ganz schön zeitraubend.
Schon bald stand der große Abend vor der Tür. Dutzende Fragen warfen sich uns auf: Hatten wir an alles gedacht, reichten die Plakate und Lichterketten, kommen genug Leute?
Abbas Khider ist wie sein Buch, ein lockerer und lustiger Typ, der uns sehr beeindruckt hat, wenn man bedenkt, was er in seinem Leben schon alles durchgemacht hat.

Es kamen über hundert Menschen, um die Lesung zu hören. Nach Grußworten und einer Ansprache von Herrn Behling und Herrn Bürgermeister Tessmer begann Abbas Khider die besten und spannendsten Stellen seines Buches zu lesen. Wir hatten sogar Live-Musik einer Schülerin der Rückertschule, die uns mit persischer Musik begleitete. Am Ende konnten die Zuhörer Fragen stellen, die Abbas Khider auch alle beantwortete. Schließlich gab es eine große Überraschung: bas Khider las uns noch ein Stück aus seinem neuen Buch, dass erst im nächsten Jahr erscheint, vor.
Weitere Stimmen aus der Klasse 9b:
Uns wurde ein Buch – Der falsche Inder – geschenkt, und eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, dass es nicht so gut werden würde. Aber als wir anfingen zu lesen, begann ich es zu mögen. Ich fand es sehr anspruchsvoll und manchmal auch anstrengend, aber im Großen und Ganzen sehr schön und würde mir für die Zukunft weitere Projekte wünschen.
(Alina Müller)
Mir hat das Buch „Der falsche Inder“ sehr gut gefallen, weil es gut verständlich geschrieben ist. Im Buch gibt es lustige, aber auch traurige Stellen.
Einige Zitate aus dem Buch malten wir in Gruppenarbeit auf große Plakate. Dabei achteten wir darauf, dass jede Gruppe außer der vorgegebenen schwarzen Farbe höchstens zwei weitere Farben einsetzt. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass die Bilder so toll werden. Ich fand es auch total lustig, als wir fast alle in der Aula auf dem Boden lagen und malten – dabei hörten wir auch noch Musik.
(Nina Fischer)
Es war eine gute Erfahrung, wie man im Team zusammen hilft und alles gut organisiert. Ich bin ganz stolz auf mich und meine Klasse, denn nicht immer klappt so ein Projekt so gut.
(Aykut Tekin)
Das Buch gefiel den Jugendlichen sehr. Von der alltäglichen Sprache fühlten sie sich angesprochen, so dass auch Lesemuffel sofort wieder ein Buch kaufen würden.
Die Schüler über- legten sich, welche Zitate aus dem Buch sie am meisten berührten. Sie sammelten Gedan- ken und setzten diese kreativ in großflächige Bilder um. Sie benutzen dazu einfache Mittel, z. B. Zeitungspapier, weil der Autor im Buch auch kein Geld für Papier hatte und deshalb auch schon einmal auf Döner-Einwickelpapier schrieb.
Für den Tag der Autorenlesung hängten die Schüler ihre Wandbilder auf und verdunkelten die Fenster im Treppenaufgang. Ihre Bilder beleuchteten sie mit Lichterketten. Im Hintergrund hörte man von CD in verschiedenen Sprachen (russisch, türkisch, kurdisch, englisch, arabisch, ukrainisch, polnisch) einen Text, in welchem das Publikum begrüßt wurde und ein schöner Abend gewünscht wurde. Außerdem wurden überall Duftkerzen aufgestellt, so dass man sich durch die Atmosphäre besser ins Buch hineinversetzten konnte.
(Elena Fischer)
Der Beitrag wurde
am Mittwoch, den 13. Mai 2009 um 21:43 Uhr veröffentlicht
und wurde unter Aktuelles / STARTSEITE, Coburger Kulturevents, Umschau: Bücher und CDs abgelegt.
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